Wenn virtuelle und reale Welten verschmelzen
2010-01-28 23:24
Augmented Reality, also die Verknüpfung aus virtuellem und realen Welten, war noch vor wenigen Jahren nur einer eingefleischten Community an Technikexperten bekannt. In den letzten Monaten entstand - nicht zuletzt durch neue Technologien wie iPhone oder Android Handys - ein wahrer Hype um Augmented Reality. Was steckt hinter den schicken Bildern von Google Handys, die in Live-Bilder der eingebaute Videokamera aktueller Informationen wie das nächstgelegene Restaurant einblenden? Ist es ein neuer hype wie seinerzeit um Second Life oder kann mit dieser Technologie tatsächlich Geld verdient werden? Über diese Fragestellungen diskutierten heute die Experten Markus Tripp (Mobilizy), Chris Budgen (diamond:dogs), Alexis Johann (WirtschaftsBlatt), Thomas Wedl (CELLULAR), Wolfgang Leindecker (NextiraOne) bei der APA E-Business Community Veranstaltung im Haus der Musik unter der bewährten Moderation von Thomas Stern (Moderator, Braintrust)
Augmented Reality ist schon lange Realität
Die Idee zu Augmented Reality ist schon ein paar Jahre alt, und jeder von uns kennt die Bilder, wo Arnold Schwarzenegger als Terminator in seine visuelle Wahrnehmung aktuelle Daten wie seine GPS Position einblendet oder Namen von Personen, welche er gerade ansieht, abruft. aber auch abseits von Science-Fiction-Filmen ist Augmented Reality heute bereits Realität. Head-Up Displays aus dem Militärbereich sind bereits in Oberklasse-autos getestet worden, und auch in der Medizin bekommen Chirurgen zu den Bildern von Stetoskopkameras bei minimal invasiven Eingriffen wichtige Informationen eingeblendet.
Mobile Welten schüren den Hype
Richtig bekannt geworden ist die Technologie von Augmented Reality mit der breiten Verfügbarkeit von modernen Smartfonds wie iPhone oder Google Nexus (und anderen Android Handys). Diese Hardware verfügt über die drei wichtigsten Voraussetzungen: GPS Empfänger, Kompass und Digitalkamera. Werden diese Daten "wo bin ich" und "wohin schaue ich" nun mit einer entsprechenden Datenbank verknüpft, können dem Benutzer ganz spezifische Informationen in das Videobild eingeblendet werden , zum Beispiel welches Gebäude er gerade ansieht, oder welches nächste Restaurant in seiner Blickrichtung ist.
Österreichische Erfolgsstory
Für die Umsetzung der Verknüpfung dieser Daten sind spezielle Applikationen erforderlich ein erfolgreicher Hersteller solcher Anwendungen stammt aus Österreich, die Firma Mobilizy. Mit der Plattform Wikitude4 schafften die AR Pioniere bis oktober letzten Jahres die stolze Anzahl von 150.000 Downloads auf Android Handys. Seit ihre Lösung auch als Google App verfügbar ist, sind diese Zahlen binnen 3 Monate auf über 500.000 hochgeschossen. Dabei stellt die SOftware nur die Rahmentechnologie zur Verfügung. Die Inhalte sind nach dem Web 2.0 Pronzip User-generiert.
Wo liegt das Geld
Wenn es an die Business-Modelle geht, blicken selbst die Experten der APA-EBC angestrengt in die Kristallkugel. An den Erfolg von bezahlten Inhalten - wie dem elektronischen Reiseführer - zu glauben fällt vielen nach wie vor schwer. Eher finanzieren lassen sich solche Dienste über Werbung. Aber besteht dann nicht die Gefahr, dass nurmehr jene Restaurants eingeblendet werden, die dafür bezahlt haben und so der Geheimtipp in der kleinen Seitengasse verloren geht?
Gänzlich andere Ansätze für Business-Modelle ergeben sich , wenn Augmented Reality in einem klar definierten Kontext eingesetzt wird: Ein Immobilienportal kann so freie Wohnungen in ein Live-Bild einblenden oder ein Möbelhaus blendet das rote SOfa ins Bild meines Wohnzimmers ein.
Die Mühe mit dem Datenschutz
Je spezifischer die Information auf mich zugeschnitten ist, desto mehr gebe ich von mir preis. Und das kann bei Augmented Reality schon eine ganze Menge sein. Dies wird umso problematischer, als sich bekannte Daten-Aggregatoren an diesem Markt zu beteiligen, nicht zuletzt durch das Android Handy.
