Ein Jahr Wirtschaftskrise - ein Resumee der IKT Branche

2009-11-27 16:24

Das einjährige Jubiläum der Wirtschaftskrise wurde im Rahmen der APA-EBC Veranstaltung im Haus der Musik am 26. November würdig begangen. Waren vor einem Jahr die Auswirkungen der Finanzkrise, ausgelöst durch den Zusammenbruch von amerikanischen Investmentbanken, noch nicht absehbar. Heute - gut ein Jahr danach - blickten die Experten Marcus Hebein (APA), Bernd Bugelnig (Cap Gemini), Christian Plaichner (UC4 Software) und Jürgen Thir (Telekom Austria) auf die damaligen Prognosen zurück und verglichen diese mit der realen Entwicklung.

Einen Vergleich der Einschätzung zur Situation bei den IT-Verantwortlichen von rund 100 Unternehmen im deutschsprachigen Raum präsentierte Bernd Bugelnig von Cap Gemeni. Erwarteten die IT-Verantwortlichen Ende 2008 noch eine Einsparung im Bereich von 10 %, mussten sie in der Realität rund 16 % Kürzung der Budgetmittel hinnehmen. "Damit war die Entwicklung schlechter als gedacht", verwies Bernd Bugelnig von das vorläufige Ergebnis einer Studie des Managementberaters. Rechneten Ende des Vorjahres noch 40 Prozent mit sinkenden Budgets, musste in der Realität die Mehrheit der befragten CIOs sparen: In der Privatwirtschaft waren es laut Erhebung 80 Prozent, im öffentlichen Bereich rund 40 Prozent.

Auch bei den Maßnahmen selbst entwickelte sich das letzte Jahr anders als geplant. Zunächst legten die CIOs ihre SChwerpunkte auf bewährte Maßnahmen wie Verschiebung von IT Projekten, Neuverhandlung vom Lieferantenverträgen, längere Nutzung bestehender Hardware, Einsparung bei Wartungskosten oder bei der Lizenzierung. Tatsächlich wurden weit weniger Projekte zurückgestellt als erwartet.

Einigen Unternehmen gehen sogar noch weiter und sehen die IT durchwegs als eine probate Möglichkeit, Geschäftsabläufe zu optimieren oder neue Umsatzquellen zu erschließen. Die sich daraus ableitende Zweiteilung, Einsparungsprojekte auf der einen Seite und Investitionsprojekte auf der anderen Seite, spiegelt sich auch in der folgenden Diskussion wieder. Unternehmen, welche innovative Technologien anbieten, können auch in Zeiten der wirtschaftlichen Krise durchwegs über 10 % aufweisen. Dies berichtet zumindest Christian Plaichner von UC4. Die Nachfrage nach seinen Lösungen zur Prozessoptimierung wuchs im Jahr 2009 vor allem im internationalen Bereich über die Erwartungen. Interessant dabei ist, dass auch Staaten in Osteuropa allmählich wieder Investitionsbereitschaft zeigen.

Unternehmen mit einem Portfolio im klassischen Infrastrukturbereich sehen sich hingegen zunehmend kostenorientierten und kritischen Kunden gegenüber. So berichtet Jürgen Thir von der Telekom Austria, dass sich vor allem Klien- und Kleinstunternehmen wie Privatkunden verhalten, also in Richtung von kurzfristigen Verträgen mit hoher Wechselbereitschaft tendieren.

Für die Medienunternehmen trifft hingegen die Wirtschaftssituation mit einer anderen Herausforderung zusammen, meint Markus Hebein, Leiter des Bereichs Multimedia der APA. Gerade in diesem Bereich ist derzeit durch die neuen Technologien des Web 2.0 eine Konkurrenz entstanden, welche das Businessmodell von klassischen Medien infrage stellt. Gepaart mit dem sinkenden Werbeeinnahmen, welche sich natürlich in Zeiten schwacher Wirtschaftslage ergeben, haben Medienunternehmen heute großen Handlungsbedarf, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Mit der Etablierung des Multimediabereiches sieht Markus Hebein die APA für diese Herausforderung gut aufgestellt.

Für die Weiterentwicklung der Wirtschaft im Jahr 2010 waren bei dieser APA-EBC Veranstaltung durchwegs positive Stimmen am Podium zu vernehmen. Die Nachfrage nach neuprojekten steigt im vierten Quartal 2009 erkennbar an. Dieses positive Signal deuteten die Experten durchweg so, dass viele Firmen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gemeistert haben und nun gut aufgestellt sind, im nächsten Jahr neue Projekte anzugehen. Einige Firmen gehen dabei sogar einen Schritt weiter, sich nicht nur darüber Gedanken zu machen, wie die Krise gemeistert werden kann. Dieser innovativen Unternehmen denken bereits heute über den Zeitraum nach der Krise nach und nützen die aktuelle Situation, sich auf die Zeit des wieder einsetzenden Wachstums optimal vorzubereiten.

Ob die diesjährigen Erwartungen die Zukunft gut widerspiegeln kann nur die Zukunft selbst zeigen. Vielleicht werden ja dieses Jahr die Wachstumschancen ebenso unterschätzt wie letztes Jahr die negativen Auswirkungen.

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